In Deutschland bestehen aktuell noch stark voneinander abweichende Vorschriften für die Anmeldung von Ferienunterkünften. Diese Uneinheitlichkeit endet spätestens im Juli 2026. Mit einer neuen EU-Verordnung werden verbindliche Standards für den gesamten Markt der Kurzzeitvermietung eingeführt. Buchungsplattformen wie Airbnb, Booking oder FeWo-direkt sind künftig verpflichtet, Belegungs- und Buchungsinformationen direkt an die zuständigen Behörden weiterzuleiten. Gleichzeitig müssen Vermieter ihre Unterkünfte offiziell registrieren lassen und eine gültige Registrierungsnummer vorweisen. Fehlt diese Nummer, dürfen Inserate nicht mehr veröffentlicht werden. Bei Verstößen drohen empfindliche Sanktionen. Ziel der neuen Regelung ist es, unseriöse Anbieter konsequent aus dem Markt zu drängen und rechtstreue Gastgeber deutlich zu stärken.
Trotzdem unterschätzen viele Vermieter die Tragweite der Veränderungen. Einige gehen davon aus, dass eine Vermietung weiterhin unauffällig möglich sein werde. Andere rechnen den organisatorischen Aufwand zu gering. Diese Annahmen werden sich jedoch nicht halten lassen. Die EU setzt die Vorgaben entschlossen um, und auch Städte und Gemeinden bereiten sich auf die Durchsetzung vor. Für Gastgeber wird es daher entscheidend, sich frühzeitig mit den Neuerungen auseinanderzusetzen. Die folgenden Abschnitte zeigen, was sich konkret ändert, wie eine sinnvolle Vorbereitung aussieht und weshalb digitale Abläufe künftig unverzichtbar sind, um rechtssicher und wirtschaftlich zu vermieten.
Weshalb die neue EU-Verordnung eingeführt wird
Der Markt für Ferienunterkünfte ist wirtschaftlich bedeutsam, bleibt aber in großen Teilen statistisch unsichtbar. Ein erheblicher Anteil der Übernachtungen findet in privat vermieteten Wohnungen statt, die bislang nicht systematisch erfasst werden. Offizielle Statistiken berücksichtigen in der Regel nur Beherbergungsbetriebe mit einer bestimmten Mindestbettenzahl. Dadurch stützen sich politische Entscheidungen häufig auf unvollständige Daten und Annahmen.
Studien zeigen, wie groß diese Informationslücke ist: Jährlich werden in privaten Ferienunterkünften mehrere hundert Millionen Übernachtungen gezählt, verbunden mit einem Umsatz in Milliardenhöhe. Ein Großteil der Ausgaben verbleibt direkt in den jeweiligen Regionen. Trotz dieser Bedeutung fehlt bislang eine belastbare Datengrundlage. Genau hier setzt die neue EU-Kurzzeitvermietungsverordnung an. Erstmals wird ein europaweit einheitlicher Rahmen geschaffen, der festlegt, wie Unterkünfte registriert und relevante Daten erhoben und ausgetauscht werden müssen.
Digitale Registrierung als zentrales Element
Kern der neuen Vorgaben ist eine verpflichtende digitale Registrierung. Jede Unterkunft muss bei der zuständigen Kommune angemeldet werden. Im Anschluss erhalten Gastgeber eine individuelle Registrierungsnummer, die in sämtlichen Online-Anzeigen anzugeben ist. Plattformbetreiber sind verpflichtet, Angebote ohne gültige Nummer zu sperren.
Zusätzlich müssen die Plattformen regelmäßig strukturierte Informationen an staatliche Stellen übermitteln. Dazu zählen unter anderem die Registrierungsnummer, der jeweilige Inseratslink, Buchungszeiträume, Belegungszahlen sowie Preisangaben. Diese Daten werden zentral gesammelt und über eine bundesweite Schnittstelle an Landesbehörden und Statistikstellen weitergeleitet. Prognosen und Schätzungen werden damit durch belastbare Zahlen ersetzt.
Konsequenzen für Vermieter ohne Registrierung
Ohne gültige Registrierungsnummer ist eine Vermarktung über die großen Buchungsportale künftig nicht mehr möglich. Darüber hinaus können Bußgelder verhängt und Meldepflichten auch rückwirkend eingefordert werden. Wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen Registrierung und einer eventuell zusätzlich erforderlichen Genehmigung nach lokalen Zweckentfremdungsregelungen. Die Registrierung ersetzt keine solche Genehmigung, sondern stellt einen eigenständigen formalen Schritt dar. Kommunen ohne bestehende Verfahren sind verpflichtet, entsprechende Systeme einzuführen oder ihre bisherigen Regelungen an die EU-Vorgaben anzupassen.
Weshalb Gastgeber jetzt handeln sollten
Auch wenn einzelne Details noch konkretisiert werden, ist die Richtung eindeutig: Digitale Prozesse werden verpflichtend.
Frühe Vorbereitung reduziert den Verwaltungsaufwand
Sobald die Verordnung in nationales Recht umgesetzt ist, werden Registrierungsportale und neue Plattformprozesse zeitnah eingeführt. Wer sich erst dann orientiert, riskiert Verzögerungen und vermeidbaren Aufwand.
Analoge Abläufe stoßen an ihre Grenzen
Die Menge und Komplexität der künftig zu übermittelnden Daten lassen sich nicht mehr mit Tabellen oder Papierakten bewältigen. Digitale Verwaltung von Registrierungsnummern, Buchungen und Meldungen wird zur Grundvoraussetzung.
Professionelle Anbieter erhalten einen klaren Vorteil
Geplante Stichproben und automatisierte Datenabgleiche werden Unstimmigkeiten schnell sichtbar machen. Anbieter mit vollständiger Registrierung und sauberen Prozessen profitieren von höherer Rechtssicherheit, besserer Sichtbarkeit und mehr Vertrauen bei Gästen und Behörden.
Konkrete Vorbereitungsschritte
Als erster Schritt sollten Gastgeber prüfen, welche lokalen Regelungen bereits bestehen. In vielen Städten gibt es heute schon Melde- oder Genehmigungspflichten, die künftig mit den EU-Vorgaben verknüpft werden. Wer die Situation vor Ort kennt, kann besser einschätzen, welche zusätzlichen Anforderungen zu erwarten sind.
Darüber hinaus empfiehlt es sich, die eigenen Abläufe konsequent zu digitalisieren. Buchungen, Gästedaten und relevante Unterlagen sollten strukturiert und nachvollziehbar erfasst werden. Je klarer die internen Prozesse, desto reibungsloser lassen sich spätere Meldepflichten erfüllen.
Ebenso wichtig ist die Pflege der Plattformprofile. Angaben zu Adresse, Ausstattung, Bettenzahl oder Eigentumsverhältnissen müssen mit den Daten der Registrierung übereinstimmen. Abweichungen können zu Rückfragen oder Sperrungen führen.
Schließlich sollten Gastgeber Informationsangebote von Kommunen, Ländern und Fachstellen aktiv verfolgen. Erste Hinweise zu Zeitplänen und technischen Anforderungen werden bereits veröffentlicht. Wer diese Entwicklungen früh beobachtet, kann rechtzeitig reagieren.
Fazit: Verpflichtung mit Chancen
Die EU-Kurzzeitvermietungsverordnung wird den Markt transparenter und stärker professionalisieren. Kurzfristig bedeutet das mehr organisatorischen Aufwand. Langfristig entstehen jedoch verlässliche und faire Rahmenbedingungen für alle, die ihre Vermietung seriös betreiben. Entscheidend ist eine frühzeitige Orientierung: zu den EU-Vorgaben, zur kommunalen Umsetzung und zu den eigenen digitalen Prozessen. Gastgeber, die jetzt aktiv werden, sichern nicht nur ihre Rechtssicherheit, sondern verbessern auch ihre Marktposition. Anbieter, die sich den Regeln entziehen wollen, werden künftig kaum noch Handlungsspielraum haben.
Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung von Sali Consulting GmbH/Veröffentlicht am 22.12.2025











